Ironman 70.3 SalzburgCrawford und Degasperi gewinnen Premiere
Am Morgen, kurz vor dem Start um zehn Uhr, hatte das Wetter gar nicht mal so schlecht ausgesehen: Der kräftige Regenguss in der Nacht schien der vorerst letzte gewesen zu sein, Sonnenstrahlen vertrieben die Nebelschwaden vom Zeller See. Man konnte sich wirklich berechtigte Hoffnungen machen, dass die Premiere des Ironman 70.3 Salzburg doch noch unter recht guten Bedingungen stattfinden könnte. Doch dann das: Die Athleten befanden sich gerade auf der Radstrecke, da legte sich eine dicke Wolkendecke über das Salzburger Land – und Kälte, Dauerregen und rutschig-nasse Straßen machten den rund 2.000 Premierenstartern das Leben schwer.
Italiener von vorn
Alessandro Degasperi ließ sich davon allerdings kaum beeindrucken. Als Vierter, Dritter und Zweiter war er in dieser Saison bereits bei verschiedenen 70.3-Rennen ins Ziel gekommen – nun sollte endlich ein Sieg her. In der Spitzengruppe legte er die 1,9 Auftaktkilometer im Zeller See zurück und stieg zusammen mit seinen Landsmännern Daniel Fontana, Alberto Casadei, den Deutschen Sebastian Rank und Sean Donnelly sowie Franz Höfer aus Österreich aus dem Wasser. „Nach diesem Schwimmergebnis dachte ich mir schon, dass das hier was werden konnte“, sagte der Italiener später auf der Pressekonferenz. Auf den beiden Radrunden mit je 370 Höhenmetern machte Degasperi zusammen mit Fontana und Casadei Druck - zu viel auch für Michael Göhner, der zwar die schnellste Radzeit fuhr, seinen Rückstand nach dem Schwimmen aber bis zum zweiten Wechsel nicht in Vorsprung verwandeln konnte. Einzig die beiden Deutschen Sean Donnelly und Andreas Dreitz konnten den Kontakt zur Spitze halten; Dreitz fuhr mit 2:05:37 Stunden sogar die zweitschnellste Radzeit.
Für das schnelle italienische Trio an der Spitze reichte das aber trotzdem nicht: Degasperi ließ sich die Führung auf dem abschließenden Halbmarathon am Ufer des Zeller Sees nicht mehr nehmen. 1:12:06 Stunden brauchte er für die 21,1 Kilometer – da konnten nicht mal mehr seine Fluchthelfer Fontana und Casadei mithalten. Nach einer Gesamtzeit von 3:46:06 Stunden drückte der Italiener der Premiere in dem Wintersportort seinen Stempel auf und feierte den ersten Sieg dieser Saison. Fontana kassierte auf den drei Laufrunden noch fast zwei Minuten, bevor er sich über den verdienten zweiten Platz freuen durfte, Casadei sorgte auf Platz drei für einen italienischen Dreifach-Triumph. Bester Deutscher wurde Andreas Dreitz, Michael Göhner - zuvor als Topfavorit gehandelt - kam als Siebter ins Ziel. Gar nicht ins Ziel kam Franz Höfer: Nach seinem vielversprechenden Auftakt im See war er auf regennasser Straße gestürzt und musste das Rennen danach vorzeitig aufgeben. Einen soliden Einstand auf der Mitteldistanz feierte Sebastian Rank; der Kurzstreckenprofi schaffte es als Neunter und nach guter Schwimm- und Radperformance auf Anhieb unter die Top-Ten.
IRONMAN 70.3 SALZBURG | MÄNNER | ||||||
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26. August 2012, Zell am See (Österreich) | ||||||
Name | Nation | Gesamt | 1,9 km Swim | 90 km Bike | 21,1 km Run | |
1 | Alessandro Degasperi | ITA | 3:46:06 | 21:47 | 2:06:56 | 1:12:06 |
2 | Daniel Fontana | ITA | 3:48:01 | 21:50 | 2:06:47 | 1:13:52 |
3 | Alberto Casadei | ITA | 3:49:22 | 21:46 | 2:06:53 | 1:15:12 |
4 | Andreas Dreitz | GER | 3:51:28 | 23:48 | 2:05:37 | 1:16:16 |
5 | Sean Donnelly | GER | 3:52:35 | 21:43 | 2:06:46 | 1:18:40 |
6 | Lukas Hollaus | AUT | 3:53:23 | 22:21 | 2:10:14 | 1:15:08 |
7 | Michael Göhner | GER | 3:53:45 | 24:10 | 2:05:26 | 1:18:28 |
8 | David Plese | SLO | 3:57:03 | 24:22 | 2:09:52 | 1:16:52 |
9 | Sebastian Rank | GER | 3:57:16 | 21:41 | 2:10:49 | 1:19:00 |
10 | Daniel Niederreiter | AUT | 3:59:16 | 24:01 | 2:08:52 | 1:21:05 |
Vorzeitiges Aus auch für Wutti
Einen Sturz, der den Rennverlauf wahrscheinlich beeinflusst hat, gab es auch im Rennen der Frauen: Eva Wutti, eine der Favoritinnen, rutschte bereits auf den ersten zehn Radkilometern von der Straße – das vorzeitige Aus für die Lokalmatadorin. Wutti war als Dritte hinter der Polin Ewa Bugdol und Gina Crawford aus Neuseeland aus dem Wasser gekommen, auf den ersten Radkilometern hatte sich dann Crawford an die Spitze gesetzt. „Eigentlich wollte ich ja in Wiesbaden starten, aber dann wurde erst ich krank und dann mein Kind“, so die 31-jährige Neuseeländerin später. „Ich bin unglaublich froh, dass ich hier gestartet bin, denn nun hat sich das Unglück als Glück erwiesen.“ Glück, aber auch Können: Crawford verteidigte die Führungsposition bis zum Schluss und kam schließlich mit einer Endzeit von 4:13:24 Stunden als erste Siegerin des Ironman 70.3 Salzburg ins Ziel.
Lange warten musste sie allerdings nicht auf ihre schnellste Gegnerin: Sonja Tajsich hatte das Frauenrennen nach dem Schwimmen richtig spannend gemacht. Beinahe mühelos holte sie nach dem ersten Wechsel ihren 4-Minuten-Rückstand mit der mit Abstand schnellsten Radzeit auf und lief sogar den Halbmarathon etwas schneller als Crawford. Immer näher kam sie der Neuseeländerin auf den drei Laufrunden, am Ende betrug deren Vorsprung gerade mal 43 Sekunden. „Ich habe Sonja wirklich im Nacken gespürt“, so Crawford. „Erst zwei Kilometer vor dem Ziel war mir klar, dass es klappen wird.“ Dritte wurde die schnellste Schwimmerin des Tages, Ewa Bugdol aus Polen.
IRONMAN 70.3 SALZBURG | FRAUEN | ||||||
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26. August 2012, Zell am See (Österreich) | ||||||
Name | Nation | Gesamt | 1,9 Swim | 90 km Bike | 21,1 km Run | |
1 | Gina Crawford | NZL | 4:13:24 | 24:08 | 2:20:06 | 1:22:04 |
2 | Sonja Tajsich | GER | 4:14:07 | 28:20 | 2:17:51 | 1:21:17 |
3 | Ewa Bugdol | POL | 4:20:15 | 24:06 | 2:21:56 | 1:27:29 |
4 | Kamila Polak | AUT | 4:26:50 | 26:51 | 2:21:15 | 1:31:06 |
5 | Silvia Felt | GER | 4:28:20 | 28:52 | 2:18:23 | 1:33:40 |
6 | Michi Herlbauer | AUT | 4:31:44 | 26:39 | 2:23:29 | 1:34:14 |
7 | Monika Stadlmann | AUT | 4:34:14 | 26:48 | 2:26:44 | 1:33:33 |
8 | Maria Weißenbacher | AUT | 4:39:02 | 28:41 | 2:22:02 | 1:41:38 |
9 | Simona Vykoukalova | CZE | 4:39:49 | 30:06 | 2:28:39 | 1:32:46 |
10 | Gabriela Furter | SUI | 4:44:06 | 30:58 | 2:30:52 | 1:32:50 |