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Dienstag, 1. April 2014

Der Verlust der Stille-Tinnitus ist keine Krankheit

"Ein interessanter Artikel zum Thema Tinnitus!"
Gefunden auf ntv.de


Der Verlust der Stille-Tinnitus ist keine Krankheit

Von Jana Zeh

Die meisten haben es schon einmal gehört - es piept, pfeift oder rauscht im Ohr. In den meisten Fällen gehen Ohrgeräusche nach einiger Zeit wieder weg - doch nicht immer. Wenn der Ton im Ohr bleibt, kann das Leben zur Hölle werden.

Ständige Ohrgeräusche können so ähnlich wie chronische Schmerzen wirken.
(Foto: dpa-tmn)

Ohrgeräusche sind keine Seltenheit. Fast jeder hat schon einmal ein unangenehmes Piepen, Rauschen oder Pfeifen im Ohr gehört, ohne dass es eine äußere Schallquelle gab. Das Klingeln im Ohr wird auch als Tinnitus bezeichnet. "Rund 10 Millionen Menschen in Deutschland haben innerhalb eines Jahres einen Tinnitus", sagt Professor Gerhard Goebel, Vizepräsident der Deutschen Tinnitus-Liga e.V., in einem Gespräch mit n-tv.de. Das bedeute allerdings nicht zwangsläufig, dass alle Betroffenen unter den Tönen in ihren Ohren leiden, so der Experte weiter.

Bei den meisten Menschen verschwindet der Tinnitus genauso unverhofft wie er gekommen ist. Ein kurzzeitiger Tinnitus kann durch zu laute Musik, einen heftigen Knall oder akute Stressbelastungen auftreten. "Nach einem Konzert- oder Discobesuch beispielsweise erfahren viele Menschen vor dem Einschlafen ein störendes Geräusch im Ohr, obwohl es im Raum mucksmäuschenstill ist", so Goebel. "Und am nächsten Tag ist es wieder verschwunden." Das Geräusch, das akut Betroffene hören, ist meist durch Überlastung oder gar Verletzungen der Haarzellen des Innenohrs bedingt.
"Ohrgeräusche können zudem ein Hinweis für verschiedene Erkrankungen sein, die nicht immer im Ohr zu finden sind. Körperliche Auslöser für einen Tinnitus können Hörschäden, Drehschwindel, Hörsturz und Probleme in der Halswirbelsäule oder im Kiefer sein. Aber auch Tumoren oder Verletzungen des Ohres können zum Tinnitus führen. Beim Großteil der Betroffenen werden jedoch keine körperlichen Ursachen gefunden. Ohrgeräusche, die höchstens einige Wochen dauern, nur phasenweise auftreten und die den Betroffenen kaum einschränken, sind - wenn der Hals-Nasen-Ohren-Arzt nichts Gegenteiliges findet - weitgehend unbedenklich. "Um diese Art von Tinnitus muss man sich nicht kümmern!"

Warnsignal für Überbelastung

Dauern die Ohrgeräusche jedoch länger oder beeinträchtigen die Lebensqualität von Anfang an erheblich, dann sollten sich Betroffene zeitnah beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt vorstellen. Der Tinnitus an sich ist zwar keine Krankheit, aber ein Warnsignal des Körpers. Er zeigt, dass man sich auf körperlicher oder seelischer Ebene übernommen hat.
Halten die Geräusche im Ohr länger als drei Monate an, spricht man von einem chronischen Tinnitus, den in Deutschland rund fünf Millionen Menschen hören. In diesem Fall ist mehr das Gehirn als das äußere Gehörorgan für die Aufrechterhltung des Tinnitus verantwortlich. "Da es keine äußere Geräuschquelle gibt, kann man beim chronischen Tinnitus auch von einem Phantomgeräusch sprechen", erklärt der Experte weiter. Die meisten Menschen können trotz der Geräusche in den Ohren gut leben. Doch bei jedem Vierten wird das Pfeifen oder Rauschen zu einer so schweren Belastung, dass daraus weitere Symptome und Erkrankungen resultieren. "Diese Menschen leiden sehr unter dem Verlust ihrer inneren Stille", weiß Goebel. Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Angstzustände und sogar Arbeitsunfähigkeit können aufgrund der Ohrgeräusche entstehen.

Tinnitus kann nicht geheilt werden

"Die Auslöser für einen Tinnitus sind so individuell wie die Betroffenen selbst", betont der Experte. Aus diesem Grund sei auch die Therapie schwierig und eine Heilung bei chronischen Tinnitus bis heute nicht möglich, so Goebel weiter. "Bei 45 Prozent der Betroffenen kann man die Ursache gar nicht ermitteln". Dachte man lange Zeit, dass der Tinnitus überwiegend eine Störung im Innenohr ist, weiß man heute, dass der Ton, den Betroffene hören, im Gehirn entsteht
Mit Hilfe von moderner Technik haben Mediziner herausgefunden, dass es bei Tinnitus-Patienten eine sichtbare Verdickung an der Hirnrinde gibt und zwar in den Bereichen, die für das Hören zuständig sind. Das weist auf eine pathologische Überaktivität des Gehirns in diesen Hörarealen hin. Das Gehirn beschäftigt sich quasi mit sich selbst. Doch das ist nicht alles. Beim Tinnitus kommt es zu einer komplexen Aktivität von verschiedenen Bereichen im Gehirn, die man mit der bei chronischen Schmerzen vergleichen könnte.  

Nicht jede Therapie ist hilfreich

Genauso wie chronische Schmerzen das Leben zur Hölle machen können, kann auch ein Tinnitus stark die Lebensqualität mindern. Aus diesem Grund greifen Betroffene zu jedem Strohhalm, den sie finden können. Unter den Angeboten, die es derzeit auf dem Markt gibt, sind jedoch auch Mittel und Wege, die völlig nutzlos sind. Vor einigen warnt Professor Goebel sogar. "Das Durchtrennen des Hörnervs zum Beispiel bringt in Bezug auf die Ohrgeräusche keinerlei Besserung, sondern macht nur das Ohr taub", betont der Mediziner. Auch die Gabe von Infusionen und Medikamenten, die die Durchblutung anregen sollen, sind heute umstritten. Nahrungsergänzungsmittel gegen Tinnitus, die man meistens im Internet bestellen kann, seien wirkungslos und nichts anderes als Geldschneiderei, so Goebel. Auch von der sogenannten Low-Laser-Therapie sei bei einem Tinnitus dringend abzuraten. Denn bei dieser Therapie werde immer noch das Innenohr behandelt.
Die meisten Therapien, bei denen nachweislich gute Erfolge erzielt werden konnten, gehen auf das Prinzip der Ablenkung zurück. So kann beispielsweise ein sogenannter "Noiser", ein Gerät, das aussieht wie ein Hörgerät, ein breites Spektrum an Frequenzen in das Ohr senden, außer die des Tinnitus selbst. Die Töne können den Tinnitus überdecken. Das Gerät kann aber nur bei Menschen mit Tinnitus eingesetzt werden, die lediglich einen bestimmten Ton im Ohr haben. Viele Tinnitus-Betroffene allerdings hören mehrere oder sich verändernde Töne oder sogar ein sich veränderndes Rauschen.

Verschiedene Formen der Aufmerksamkeitsablenkung

Bei den wirksamen Therapien geht es vor allem darum, der Eigenständigkeit der Hörareale im Gehirn einen Gegenimpuls zu liefern, also um die Ablenkung der Aufmerksamkeit. "Beim Tinnitus mit psychischer Erkrankung, wie zum Beispiel einer Depression, sollte man die Aufmerksamkeit auf die Therapie der Depression lenken, dann wird bei den meisten das Geräusch im Ohr automatisch leiser oder geht, im besten Falle, sogar ganz weg", so Goebel. Auch körperliche Aktivitäten und aktive Entspannungstechniken können nachweislich sehr hilfreich sein, Qi Gong, Bewegungsmeditation oder Progressive Muskelentspannung sind wirksam. "Alle Entspannungstechniken sollten allerdings möglichst mit Umgebungsgeräuschen und nicht in der Stille  praktiziert werden, ansonsten kann ein gegenteiliger Effekt entstehen", gibt Goebel zu bedenken.
Auch die sogenannte Retraining-Therapie zielt darauf ab, dass Betroffene von dem Geräusch im Ohr abgelenkt werden. Es geht darum, die Töne aus dem Bewusstsein zu verbannen. So kann der Tinnitus leiser werden oder sogar ganz weggehen. Die Langzeittherapie ist ein Mix aus ausführlichem Aufklärungsgespräch (Counseling), psychologischer Betreuung, Entspannungstechnik und dem Einsatz technischer Geräte. Sie dauert zwischen 12 und 24 Monate.
Im übertragenen Sinn kann der Tinnitus auch als "Lärm der Seele" bezeichnet werden. Ohrgeräusche haben also auch eine Art Schutzfunktion. Betroffene ohne körperliche Ursachen sollten sich mit professioneller Hilfe auf die Suche nach Antworten machen. Wie kann meine Seele wieder ins Gleichgewicht kommen? Das Wichtigste für Menschen mit chronischem Tinnitus ist allerdings, die Stille zu meiden.
Quelle: n-tv.de

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